Mein Besuch bei der Bad Bramstedter Tafel

Heute bin ich mit Frau Baumbach, der Vorsitzenden der Bad Bramstedter Tafel, verabredet. Auf dem Weg dorthin treffe ich bereits Menschen, die ebenfalls mit ihren leeren Einkaufstaschen auf dem Weg zur Tafel in der Kantstraße unterwegs sind.

Frau Baumbach sitzt an einem kleinen Tisch im Eingangsbereich und nimmt von denen, die heute Lebensmittel erhalten, den „Tafel-Euro“ entgegen. Nach der Begrüßung stellt mir Frau Baumbach die fleißigen Helferinnen vor, die heute die Lebensmittelausgabe übernehmen. Dann zeigt sie mir die Räumlichkeiten der Tafel.

Seit 2012 leitet Frau Baumbach die Bad Bramstedter Tafel, welche sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. „Als ich angefangen habe, waren es 87 Familien, die sich hier Lebensmittel abgeholt haben. Seit der Flüchtlingskrise sind es 330 Familien bzw. 1200 Menschen.“

Jeden Tag holt Frau Baumbach Lebensmittel bei diversen Supermärkten, einem Bäcker und bei den Ständen auf dem Bad Bramstedter Wochenmarkt ab, um sie hier dienstags und freitags ausgeben zu können. Das reicht schon lange nicht mehr, um genug Lebensmittel für alle vorzuhalten, und so fährt sie oft nach Norderstedt, Neumünster und sogar bis nach Flensburg, um bei den dortigen Tafeln weitere Lebensmittel für Bad Bramstedt abzuholen.

Auf meine Frage, warum sich Frau Baumbach hier 7 Tage die Woche ehrenamtlich engagiert, antwortet sie kurz: „Es macht sonst keiner.“

Der Raum, in dem die Familien bei Kalt- und Warmgetränken warten, bis die Farbe ihrer Zuteilungskarte aufgerufen wird, füllt sich. Nun packe ich mit an, denn helfende Hände sind hier jederzeit willkommen. Ich fülle die erste Einkaufstüte für eine Familie mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern voll mit Gemüse und erhalte dafür ein dankbares Lächeln des Familienvaters. Und so geht es weiter, bis zwei Stunden später alle, die heute zur Lebensmittelausgabe gekommen sind, mit gefüllten Taschen wieder auf dem Heimweg sind.

Nachdem ich mich verabschiedet habe, verlasse ich nachdenklich das Gebäude. Eigentlich dürfte es so etwas wie die Tafeln in einem so reichen Land wie Deutschland gar nicht geben. Und dennoch ist es gut, dass sich Frau Baumbach und ihre ehrenamtlichen Helferinnen mit so viel Engagement um diese Mangelsituation in unserer Gesellschaft kümmern. Ich nehme daher für mich mit, dass ich gerade dieses so wichtige ehrenamtliche Engagement mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln als Bürgermeisterin unterstützen werde.

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